Sizilianisches Lexikon - Von Gela bis Grammichele

Sizilianisches Lexikon, für die Reise und den Wissenshunger

Gela (80.000 Ew.), ein Seebad im Süden Siziliens, in der Nähe der Mündung des gleichnamigen Flusses, wo die urbar gemachte Ebene von Gele endet. Gea ist eine Handels- und Industriestadt mit einer bedeutenden petrochemischen Industrie. Diese ehemalige dorische Kolonie wurde von Siedlern aus Rhodos und Kreta gegründet und war bereits im Neolithikum bewohnt; sie wurde zum ersten Mal von Karthago im Jahre 405 v. Chr. zerstört, zum zweiten Mal von den Mamertinern. Die Einwohner suchten in Phintias, dem heutigen Licata, Zuflucht und die Stadt verschwand. Im Jahre 1230 gründete Friedrich Terranova an der Stelle des alten GeIa, das im Jahre 1927 seinen ursprünglichen Namen wieder annahm. Die griechischen Befestigungsanlagen der Altstadt dehnten sich von der Ortschaft Molino a Vento, wo sich die alte Akropole befand (heute der Park Rimembranza), bis nach Capo Soprano aus. In der Nähe des Park Rimembranza (Eingang am corso V Emanuele) betinden sich der Unterbau eines dorischen Tempels aus den Jahren 480-470 v. Chr. und, nicht weit entfernt, die Ruinen eines zweiten Tempels, der der Athene geweiht war (6. Jh v. Chr.). In der Nähe gibt es einen Aussientspunkt der Ebene von Gela. Das archäologische Museum (corso V. Emanuele) liegt in dem Gebiet der alten Akropole, wo vor kurzem das Viertel des Timoleon (4.Jh. v Chr.) mit Läden und Wohnhäusern entdeckt wuroe, die über den älteren Tempeln und Bauwerken angelegt wurden. Das neue, restrukturierte Museum ist am 25. April 1997 wieder eröffnet worden. Die in den Vitrinen ausgestelten Stücke reichen von der Bronzezeit bis zur griechisch-römisehen Epoche und dem Mittelalter. Dort werden die Materialien der Navarra-Sammlung ausgestellt, besonders Vasen aus Attica und griechische Keramiken; alte ionische Kapitelle von Häusern der Acropolis; eine Tonkore im ionischen Stil; Graffiti und Materialien aus der timoleontischen Epoche; die berühmte Plastik eines Pferdekopfes aus dem 5. Jh., Teil eines Akroterions und eines der schönsten Beispiele der örtlichen Terracotta Kunstwerke der klassischen Zeit; Fundstücke aus den städtischen und ländlichen Heiligtümern: silenische Stirnziegel, eine TonmasKe der Demeter und eine Öllampe aus oem 7. Jh. v. Chr. mit menschlichen Kopfmasken und des Steinbocks, Hera gewidmete Inschriften, alte und klassische Tonfiguren, sowie Stücke aus den Heiligtümern der Via Fiume und Madonna dell'Alemanna; vorkorinthische und orientalische, lakonische und im örtlichen Stil gehaltene Keramiken; Material aus den Nekropolen des 6. und 5. Jh. v. Chr.; attische une örtliche Keramiken und timoleonteisches Material; eine Münzensammlung von circa 900 Geldstücken aus Gela und anderen Städten des 5. Jh. v. Chr. und eine Sammlung loser sizilianischer und griechischer Geldstücke aus den Jahren um 405 v. Chr.; klassische Tonsarkophage; Teile der Stadtmauern von Capo Soprano; Gegenstände aus der timoleontischen Nachzeit; Materialien des Landgutes von Manfria des 4. Jh. v. Chr., Zeugnisse von der Siedlung von Butera von 8. bis 3. Jh. v. Cnr.; gorgonische Materialien vom Monte Buobnia; Gegenstände aus den Gräbern von Vassallaggi; Fundstücke aus kleineren Siedlungen aus der Umgebung von Caltanissetta; früh- und vorgeschichtliche Stücke aus der Gegend von Gela; Gegenstände aus dem Gebiet um Sofiana; spätantike und mittelalterliche Zeugnisse. Fährt man weiter über die via Vittorio Emanuele, die Hauptstraße von Gela, so gelangt man an den Platz Umberto I, wo sich die Mutterkirche aus dem 18. Jh. erhebt, die eine neuklassische Fassade hat. Die griechischen Bäder liegen im Gebiet von Capo Soprano und stammen aus der Zeit von Timoleon (4. Jh. v. Chr.). Sie bestehen aus zwei Sitzwannen, einer runden und einer halbrunden und das Beheizungssystem beruhte auf großen Öfen; der Boden ist aus Ziegeln. Die Befestigungsanlagen von Capo Soprano sind das am besten erhaltene Bauwerk der Stadt; Sie wurden im 4. Jh. v. Chr. angelegt. Der untere Teil der Mauern besteht aus Steinblöcken, während der obere aus ungebrannten Ziegeln besteht. Die Mauer ist zinnengekrönt und die Wachgänge konnten über Leitern erreicht werden; eine Reihe von Türmen aus ungebrannten Ziegeln verzierte das Tor in der Mitte des großen Strebepfeilers im Westen. Im Inneren, auf der nördlichen Seite, befinden sich die Quartiere. 7 Kilometer in Richtung Catania entfernt wird das Castellucio Svevo besichtigt.

Giovanni Falcone (* 18. Mai 1939 in Palermo, † 23. Mai 1992 in Capaci bei Palermo) war ein italienischer Jurist. Falcone gilt als Symbolfigur des Kampfes gegen die organisierte Kriminalität im Süden Italiens. Anfang der 1980er Jahre baute er in Palermo eine Sonderkommission zur Bekämpfung der Cosa Nostra auf. Dass die auf Sizilien allgegenwärtige Mafia derartige Störungen ihrer Macht und Geschäfte nicht zulassen wollte, machte sie durch zahlreiche Anschläge auf die Ermittler immer wieder klar. Unbeirrt und mit sehr viel Mut leitete der unter ständigem Polizeischutz stehende Falcone ab 1987 als Untersuchungsrichter Massenprozesse gegen rund 400 Mitglieder der Mafia, von denen zahlreiche zu Haftstrafen verurteilt wurden. 1991 wechselte er ins italienische Justizministerium. Falcone wurde zusammen mit seiner Ehefrau Francesca Falcone und drei Leibwächtern durch eine Bombe getötet. Die Attentäter hatten unter der Autobahn in der Nähe von Palermo einen Zentner Sprengstoff deponiert und ferngesteuert gezündet. Für dieses Attentat musste sich der ‚Schlächter der Cosa Nostra‘ Giovanni Brusca vor Gericht verantworten und ist seit 1996 inhaftiert. Es wird vermutet, dass der Mord durch Salvatore Riina in Auftrag gegeben wurde. Falcone erfreute sich wegen seines Kampfes gegen das organisierte Verbrechen großer Popularität besonders in Sizilien. Nach seinem Tod wurde er durch die Umbenennung des Flughafens von Palermo in Aeroporto Falcone Borsellino, nach ihm und seinem Freund Paolo Borsellino, geehrt.

Geschichte Bis zur Entdeckung Amerikas galt: Wer Sizilien beherrschte, der war der Herr der Welt. Als Kolumbus 1492 den neuen Kontinent entdeckte, ging die strategische und wirtschaftliche Vorrangstellung des mediterranen Raums und damit Siziliens allmählich zu Ende, nicht aber seine kulturelle. Die Ureinwohner der Insel hießen Sikaner und Sikuler und wanderten über die südliche Spitze Italiens nach Sizilien ein. Sie wurden durch Phöniker, Karthager und Griechen verdrängt. 735 vor Christus gründeten die Griechen ihre erste Siedlung, Naxos. Weitere bedeutende, griechische Zentren waren Akragus, das heutige Agrigento, und Gela. Im Tal der Tempel in der Nähe von Agrigento sind zahlreiche griechische Bauwerke aus der Antike erhalten geblieben. 536 vor Christus betraten die Karthager zum ersten Mal die Insel. Karthago ist eine 814 vor Christus von den Phöniziern gegründete Stadt, die im heutigen Tunesien lag. Die Karthager erbauten im Westen Siziliens die Städte Panormus, das heutige Palermo, Solois und Motya. Zwischen den Karthagern und den Griechen kam es zu zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen, um die Vorherrschaft auf der Insel. Während des Ersten Punischen Krieges wird Sizilien zur römischen Provinz. Der Erste Punische Krieg war der erste der drei großen Kriege zwischen Karthago und dem Römischen Reich. Nur das griechische Territorium im Osten der Insel wird nicht von Rom eingenommen. Es wird erst 212 vor Christus nach dem Ersten Makedonischen Krieg zwischen Rom und Makedonien mit der Einnahme des griechisch beherrschten Syrakus römisch. Die Geschichte der Insel ist bewegt. Oft wird Sizilien von fremden Mächten eingenommen. Vandalen, Goten, Byzantiner, Araber, ab 1091 die Normannen, danach begann die Dynastie der Staufer. Kaum ein anderes Eiland wurde so zum Schnittpunkt der Kulturen wie Sizilien. Goethe besuchte vor etwa 200 Jahren bei seiner Spurensuche der Antike Sizilien. Bis heute gilt die Insel unter Kulturtouristen als erste Adresse. "Nirgendwo", schreibt Peter Peter in seinem Polyglott- Reiseführer, "kann man sich so schön in den Weltkulturen zwischen Orient und Abendland bewegen wie auf Sizilien. Phönizier und Araber aus Nordafrika, Griechen und Albaner aus dem Osten, Normannen, Staufer und Piemontesen aus dem Norden, Spanier aus dem Westen…", sie alle haben tiefe Spuren hinterlassen.

Giuseppe Garibaldi (* 4. Juli 1807 in Nizza; † 2. Juni 1882 in Nizza mor. Caprera) war ein berühmter, legendenumwobener Guerillakämpfer und Italiens populärster Soldat des Risorgimento, der italienischen Einigungsbewegung zwischen 1821 und 1870. 1860 zog er los, um Sizilien und Neapel zu erobern. Er segelte mit eintausend so genannter Rothemden nach Sizilien und ernannte sich zum Diktator im Namen Viktor Emmanuel II. Bei Calatafami schlug er kurz danach mit seiner Armee den König von Neapel, und ein Volkskrawall kam ihm bei seiner Eroberung von Palermo hilfreich gelegen.

Grammichele. Nach dem Erdbeben von 1693 als barocke Idealstadt erbaut: auf einem klar gegliederten sechseckigen Grundriß, der bis heute perfekt erhalten ist, vom hexagonalen Hauptplatz über die drei (oder sechs?) Hauptstraßen bis hin zu den Stadt «sechsteln» mit dem ebenmäßigen Netz von Quer und Radialverbindungen. Der Hauptplatz wirkt nicht nur kommunikativ: Er ist eine der schönsten Versammlungen von «Circoli»: Katholiken zwischen Faschisten, Christdemokraten und Republikanern...